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Karl-Heinz Heise wird 90

Täglich fährt Karl-Heinz Heise von Ziebigk aus in sein Autohaus in der Dessauer Heidestraße 75. Von seinem Büro blickt er über den weitläufigen Außenbereich des Volkswagen- und Audi-Handels, sieht seine Mitarbeiter, die Neuwagen annehmen, Gebrauchtwagen aufbereiten, Fahrzeuge reparieren, Kunden, die ankommen und vom Hof rollen.

Heise wird am 30. März 90 Jahre alt, der täglich Blick auf das Gewusel seiner Firma, eine von mehreren in Dessau, Köthen, Aken und Köln, ist dabei nicht der Nostalgie geschuldet, denn der Chef begleitet die unternehmerischen Vorgänge weiterhin aktiv. „Ohne die vielen guten Leute, die tüchtigen Mitarbeiter wäre ich heute nicht da, wo ich bin“, sagt er und betont das noch einmal. Doch der Blick auf das Leben des Unternehmers zeigt noch ganz andere Einflussfaktoren, viele davon finden sich heute in den Geschichtsbüchern.

1928 in Mosigkau geboren und im beschaulichen Ort mit dem Rokokoschlösschen aufgewachsen, schien der Weg des jungen Karl-Heinz vorgezeichnet. Sein Großvater war Direktor und Teilhaber der Dessauer Spar- und Leihbank. „Ich sollte da auch rein“, erinnert er sich. Regelmäßig nach Schulschluss, erst in der Volksschule in der Flössergasse, später auf der Goetheschule, ein Gymnasium, lief Heise zur Bank und fuhr mit Onkel und Großvater zum Mittagessen mit dem Auto nach Hause. Kaum jemand fuhr damals schon Auto, Karl-Heinz Heise ist mit ihnen aufgewachsen. Seine ersten kaufmännischen Erfahrungen hatten mit Autos allerdings nichts zu tun, spielten sich vielmehr in der ländlichen Realität ab, in der er seine Kindheit verbrachte: „Schräg gegenüber von meinem Elternhaus wohnte Bauer Weidel, der unter anderem mit Ferkeln handelte.“ Auf einen Pferdewagen hatte der Bauer Boxen eingebaut, in der jeweils drei bis vier junge Schweine Platz fanden. „Wir sind dann über die Dörfer gefahren und haben die Ferkel verkauft“, erinnert sich Heise, „pro verkauftem Ferkel habe ich dann einen Groschen Schwanzgeld bekommen.“

Trotz bäuerlicher Romantik war Heises Weg weiterhin vorgezeichnet, bis zu dem Zeitpunkt, als das Hitler-Regime, getrieben von der Wahnvorstellung eines großdeutschen Weltreiches, den Zweiten Weltkrieg anzettelte und ganz Europa mit in den Abgrund riss. Die Fahrzeuge der Familie wurden mit Kriegsbeginn stillgelegt, man zog nach Dessau, in die Stadt, um die Wege zur Arbeit und zur Schule zu verkürzen. Spätestens mit der Einberufung des Vaters in den Kriegsdienst wandelte sich das bis dahin behütete und durchaus privilegierte Leben Karl-Heinz Heises. Was die Zukunft bringen würde, konnte niemand mehr voraussagen.

Am 1. Januar 1944, die Niederlage eines schwer vom Krieg gezeichneten Deutschlands wurde immer wahrscheinlicher, wurde er, noch keine 16 Jahre alt, Luftwaffenhelfer, ein Jahr später Panzerjäger. Als nach dem Kriegsende die Nachricht von der Gefangenschaft des Vaters durch die Amerikaner in Dessau eintraf, war das eine vergleichsweise gute Nachricht. Um einer neuerlichen Kriegsgefangenschaft im inzwischen von den Sowjets besetzten Dessau zu entgehen, blieb Heises Vater im Westteil des Landes. 1947 verließ auch Karl-Heinz Dessau und ging nach Köln. „Die Heimat zu verlassen war schwer“, erinnert er sich gut 70 Jahre später, „schon der Unterschied der Dialekte hat uns gehemmt, vor Ort schnell Fuß zu fassen.“ Die Brücke schlug, wie so oft, der Sport. Bereits in Mosigkau als Feldhandballer aktiv, gründete Heise mit einigen Mitstreitern aus der Heimat einen Handballverein in Dormagen. „Wir haben uns dann von ganz unten nach ganz oben gespielt.“ Später wurde der Verein von Bayer Dormagen übernommen. Außerdem spielte Heise Tennis im Werksverein. Handball und Tennis – zwei Sportarten, die sein Leben neben der Arbeit bis heute prägen.

Auch in Köln wurde der junge Kaufmann in den 1950er Jahren nach und nach heimisch. Er baute, bekam einen Sohn, stieg dann in den Fahrzeughandel der Schwiegereltern ein und übernahm schließlich als Volkswagen- und Audi-Händler ein eigenes Autohaus, das, nach Marken auf zwei Standorte verteilt, bis heute besteht. Den Kontakt nach Mosigkau ließ er jedoch nie abreißen. „Ich war jedes Jahr drei bis vier Wochen in Dessau. Meine Mutter konnte nicht mehr reisen, ich habe mich vor Ort unter anderem um die Familiengräber gekümmert.“ Über 40 Jahre lebte Karl-Heinz Heise so zwischen zwei Welten. Erlebte das Wirtschaftswunder im Westen, sah die Stagnation im Osten und wie die Menschen mit der Lage in der DDR umgingen.

 

Als am 9. November 1989 die Mauer fiel, Heise war mit 61 Jahren auf dem bestem Weg ins Rentenalter, war er außer sich vor Freude. „Obwohl ich regelmäßig hier war, habe ich mit dieser Entwicklung und einer Revolution ohne Blutvergießen nicht gerechnet. Das hatten wir nur Gorbatschow zu verdanken.“

Für Karl-Heinz Heise stand schnell fest, dass er sich auch in der Heimat unternehmerisch engagieren will. Aus den Verhandlungen mit der Treuhand, aus deren Verwaltung er das in finanzielle Schieflage geratene VW Autohaus am Leipziger Tor, vormals PGH Fahrzeuginstandsetzung, und den Abschleppdienst in Mildensee übernehmen wollte, ging er mit einem Paket aus vier Firmen, das auch den Renault-Handel in der Wolfgangstraße, später Autohaus Aken, umfasste. „Wir glaubten, dass es jetzt aufwärts geht, ähnlich wie in den 50er Jahren im Westen. Ich kannte die Stadt und die Menschen ja, alles fleißige Leute.“ Doch der Weg war steinig. Heise führt das vor allem auf die Leistung des aus den alten Ländern importierten Personals großer Firmen und Verwaltungen zurück. „Es gab einfach nicht genug kompetente Mitarbeiter für den riesigen Bedarf hier, deshalb gab es zahlreiche Fehlentscheidungen.“

Doch Karl-Heinz Heise blieb am Ball, verkaufte sein Haus in Köln, zog zurück nach Dessau, förderte den Austausch seiner Mitarbeiter in Ost und West, spielte auch hier wieder Tennis, übernahm sogar den Sport- und Freizeitpark in der Dessauer Kreuzbergstraße, engagierte sich im Förderverein des Anhaltischen Theaters, beim Dessau-Roßlauer Handballverein und gründete eine eigene gemeinnützige Bürgerstiftung. 300 Menschen in Dessau, Köthen, Aken und Köln arbeiten heute für die verschiedenen Unternehmen der Heise Gruppe. Im Zentrum steht dabei weiterhin das Automobilgeschäft. Prognosen möchte der erfahrene Kaufmann für die Branche trotzdem nicht abgeben, zu einschneidend waren die Veränderungen der vergangenen Jahre. Dass seine Unternehmen aber ein Zukunft haben, darauf vertraut er: „Wir haben hier gute und tüchtige Leute, die werden ihren Weg finden.“

Fleiß, Bescheidenheit, Ehrlichkeit und Offenheit für neue Ideen, so beschreibt er das, was andere Unternehmensphilosophie nennen würden. Doch das Verbreiten von Weisheiten ist seine Sache nicht, Karl-Heinz Heise will anpacken, machen, braucht immer ein Ziel, so auch zu seinem 90. Geburtstag: „Gerade baue ich auf Poel ein neues Ferienhaus, das alte stand zu nah am Nachbargrundstück, deshalb konnten wir es nicht aufstocken, also haben wir abgerissen und bauen neu.“

#Allgemein

Veröffentlicht am Friday, 6. April 2018 um 08:04 Uhr von Jens Wittmann.

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